Bäume vor dem Bahnhof

Bäume gehörten seit jeher auf den Bahnhofsvorplatz, das meint die Hildener Ortsgruppe des BUND . Wenn der Bahnhof und der Vorplatz jetzt neu gestaltet und belebt werden soll, dann begrüßen wir das ausdrücklich.
Aber jede neue Planung muss die Historie eines Denkmals Hildener Bahnhof in möglichst allen Facetten einbeziehen und fortentwickeln. Das bedeutet, dass sich neues in die historische Umgebung einpassen und weiterführen muss. Dazu passt kein rigoroses Wegnehmen und Ausmerzen von wesentlichen Gestaltungselementen.
Deshalb Finger weg von den Bäumen. Gute Architekten greifen die Bäume nicht an, sondern verneigen sich vor dem Alter und den Erfahrungen gerade der alten Bäume und wenn sie sehr gut sind führen sie die mächtigen Bäume in ihrer Architektur weiter

 

Zugang durch Bäume
Bäume geben dem Bahnhofplatz Charakter und Bedeutung

Neues vom Bahnhofvorplatz:

In der ersten Novemberwoche wurden Sondierungsgrabungen nach den Wurzeln

unserer Bäume am Bahnhof
durchgeführt. Wie sind diese abgelaufen?

Hier einige Bilder und Eindrücke von Arbeiten. Machen Sie sich selbst ein Bild.

Mühsam ! So werden Wurzeln von alten Bäumen gesucht und auch gefunden
Die "Wurzelsuchgrabung" fand sehr reges Interesse bei dem zuständigen Architekten, einem früheren Gutachter und der Baumbeauftragten der Stadt Hilden. Später kam auch der potentielle Investor hinzu.

Die Wurzeln ließen sich nicht leicht finden, aber sie sind unübersehbar und stark. Der Graben entspricht dem Ausschachtungsvorhaben des SDI-Konzeptes. Diese Wurzeln und möglicherweise weitere, tiefer - mehr als
1 Meter unter der Oberfläche - liegende Halte- und Versorgungswurzeln müßten für das Vorhaben gekappt werden.

Der "neue" Gutachter überprüft die Platanen auch von der Hebebühne aus auf Schadstellen und findet Hinweise auf notwendige Pflegemaßnahmen
Wie nicht anders zu erwarten, brauchen die Bäume den Wurzelraum - dieser entspricht in etwa dem Kronenbereich - des Bahnhofvorplatzes zur lebenswichtigen Versorgung ihres mächtigen Stammes und des Blätterdaches
Teilweise erstaunlich nah unter der Oberfläche erscheinen die dickeren Halte- und die dünneren Versorgungswurzeln

Was sollen wir und die Anwohner jetzt von dem Gutachten erwarten ?

Der Gutachter kann nach seinen Untersuchungen der Stadtverwaltung sicherlich einige Hinweise
zur Pflege der Platanen geben. Denn an einigen Schadstellen muss dringend etwas unternommen
werden, um die Bäume wieder "fit" zu machen.

Das Bauvorhaben kann, wie ursprünglich geplant, ohne wesentlichen Schaden für die Bäume nicht
realisiert werden.
Letztlich dürfte sich das Urteil des von der Stadt beauftragten Gutachters
bestätigt haben. Die Baugrenzen dürfen nicht in den Kronenbereich hereinragen, damit die
"alten" Bäume nicht in ihrem Wurzel-Lebensraum beschnitten werden. Die Versorgungswurzeln
reichen bis ín den Kronenrandbereich. Diesen Wurzeln müssen schon bei geringen Beschneidungen Gelegenheit gegeben werden, sich neu aus zu bilden. Dafür ist richtigerweise schon in den ersten Gutachten eine komplette Vegetationsperiode als Regenerationszeit gefordert worden. Diese Regenerationszeit kann erst im späten Frühjahr gestartet werden. Das heißt im Klartext, vor
Sommer 2005 kann mit den Bauarbeiten nicht begonnen werden.
Genauso wichtig wie diese vorbereitenden Maßnahmen ist aber auch die Einhaltung der
einschlägigen Vorgaben aus den DIN-Vorschriften während der späteren Bauphase.
Nur so wird es möglich sein, den Bahnhofsvorplatz mit dem prägenden Baumbestand
auf Dauer zu erhalten und ein abgespecktes Konzept der "neuen" Bahnhofnutzung
zu realisieren.

 

Der Bahnhofsvorplatz, was soll geschehen ?

Die Ergebnisse des Baum - Gutachtens, das SDI in Auftrag gegeben hat und einen
Vergleich mit den Zusagen, die der Geschäftsführer der SDI , Herr Schmitz vorher
gemacht hat, haben wir hier vollzogen:

Die Zusagen von SDI- Geschäftsführer Schmitz bei der Vorstellung des Bahnhofskonzeptes

An den Zusagen von SDI - Geschäftsführer Schmitz bei der Vorstellung des Bahnhofskonzeptes werde ich messen, wie glaubwürdig Herr Schmitz ist.
Zwei Zusagen habe ich noch im Ohr:


1. Es wird einen Bereich für den Kulturtreff am Bahnhof Hilden geben
2. Wenn Bäume mit der vorgelegten Planung gefährdet würden, wird umgeplant.


1. Ob über den Kulturtreff und von wem schon der Stab gebrochen ist, vermag ich auch nach den Diskussionen der letzten Wochen noch nicht zu beurteilen.
2. Mit dem Baumgutachten habe ich mich intensiv, sachlich auseinandergesetzt und daraus ergibt sich für mich folgende Feststellung und Schlussfolgerung zu der im obigen Plan dargestellten Baumsituation:

2.1 In der bisher vorgelegten Planung ist der Erhalt der Rosskastanie ( Plan-Nr.6) nicht berücksichtigt und insofern ist nach der o.g. Zusage von Herrn Schmitz eine Umplanung notwendig.

2.2 Nur in einem Teilbereich von zwei Platanen (Plan-Nr. 1 und 2) sind "Maßnahmen vor den Baumaßnahmen", nämlich ca. 1 Jahr vorher das Anlegen einer sog. Induktionszone vorgesehen, um die "alten" Bäume auf den Stress der Bauphase und der Zeit danach vorzubereiten. Dabei sind Abgrabungen bis auf 2 Meter an den Stamm heran und eine Sicherung der Baugrube durch Spundschalung vorgesehen, so dass zumindest entsprechende Feinwurzelbereiche wegfallen. Das bedeutet bei einem Baum (Plan-Nr. 1 ) ca. 50 % und bei dem zweiten Baum (Plan-Nr. 2)ca. 30 % weniger Feinwurzelbereiche. Die Kronen sollen ebenfalls um ca. 20 bis 30 % zurückgeschnitten werden. Der Gutachter schreibt zwar: "Die Baumart ist durch ihre morphologisch, physiologischen Eigenschaften gegenüber den zu erwartenden Eingriffen als relativ unempfindlich einzustufen." Aber wegen des Alters der Bäume bemerkt er auch vorsorglich : "Generell ist zu berücksichtigen, dass die Bäume sich Ihrem Standort über Jahrzehnte angepasst haben, und Beeinträchtigungen nicht 100%ig auszuschließen sind."
Es fehlt mir hier eine Empfehlung zu einer notwendigen Umplanung und zu einem größeren Abstand der Baumaßnahmen zum Baumstamm, um Risiken zu mindern und einen späteren Zwangsabgang der Bäume faktisch ausschließen zu können.

2.3 An einer dritten Platane (Plan-Nr. 3) ist an einer Seite eine Spundwand, allerdings keine Induktionszone - wie oben beschrieben - vorgesehen. Auch bei diesem Baum fallen mehr als 30 Prozent der Feinwurzelbereiche weg.
Zu der an den Kronenbereich der Winterlinde heranreichenden Baumassnahmen ist ebenfalls keine Spundwand vorgesehen und die vorgesehenen Ausschachtungen für die Außengastronomie ist in den Auswirkungen auf die angrenzenden Bäume (ohne Nummer, rechts neben Plan Nr. 1 und Nr. 6) gar nicht betrachtet und somit auch nicht bewertet. Eine Begründung dafür findet sich in dem Gutachten nicht.

2.4 Als Schlussfolgerung ergibt sich für mich: Die Planung ist durch SDI unter Berücksichtigung der Zusagen zu überarbeiten und an die Bedürfnisse der vorhandenen Bäume anzupassen.
Der Gutachter schreibt selbst: "In Bezug auf die städtebauliche Situation erfüllen derartige Bäume generell stadtgestalterische Funktion als Markierungspunkte und quartierplatz-prägende Elemente."
Wegen des Schattendrucks für die darunter befindliche Rasenfläche empfiehlt der Gutachter einen Rückschnitt. Die positive, stadtklimatische Wirkung stuft der Gutachter als "hoch" ein.
Also es gibt viel zu tun, packen Sie es richtig an, Herr Schmitz!

 

Die wesentlichen Aussagen des "neuen Baumgutachten"

ABSTANDSVORSCHRIFTEN:
Nach DIN 18920 (Schutz von Bäumen, Pflanzenbetsänden und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen) sollen keine Baugruben im Wurzelbereich der schutzwürdigen Bäume ausgehoben werden. Der Wurzelbereich ist gemäß RAS-LP4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen Teil: Landschaftspflege Abschnitt: Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen) definert als Traufkante der Krone des betreffenden Bäume plus 1,5 m. Demnach ist im vorliegenden Fall der Aushub der Baugrube baumverträglich, wenn folgende Abstände, gemessen von der Stammmitte des jeweiligen Baumes zum Rang der Baugrube, eingehalten werden:

Die zur Bebauung verbleibende Fläche ist damit mit der punktierten Linie umrissen. Diese Fläche läßt die großen Pläne ( wie z.B. Super-Bowling-Disco) der SDI nicht zu, wäre aber aus unserer Sicht ein ausreichender Raum, um den Bahnhofsbereich zusätzlich zu beleben.
Da der Gutachter eine kleinere Fläche als baumverträglich sieht, wurde in diesem Gutachten die Außengastronomie, die sich nach dem SDI-Konzept zwischen den Bäumen Nr. 7/8/9 und 1/10 abspielen soll, nicht betrachtet. In dem Gutachten der SDI fehlt diese Untersuchung aber gänzlich, obwohl auch diese Baumaßnahmen Kronenbereiche von Bäumen betreffen.
Rat und Verwaltung der Stadt Hilden haben jetzt die Aufgabe, die städteplanerisch notwendigen Pläne zu erstellen und die Anwohner in die Planungen mit einzubeziehen. Denn auch die in diesem Bereich vorhandenen Wohngebiete sind mit den Interessen Ihrer Bewohner zu berücksichtigen. Die Stadt sollte vermeiden, wieder folgenschwere Fehler im Bebauungsplanverfahren zu machen. Denn auch dort wird sich jemand finden, der die Stadt bei rechtsfehlerhafter Planung oder Genehmigung verklagt. Und nach allen Erfahrungen der Vergangenheit stehen die Chancen sehr hoch, dass die Stadt Hilden einen solchen Prozess verliert. Wenn auch manchmal solch eine Niederlage mit einem teuren Vergleich zu Lasten der Steuerzahler erkauft wird.

 

 

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Dieter Donner